FamilienAllianz



Mittwoch, 9. Juli 2014

Die Mutter gehört zum Kind



Ein Gastkommentar von Christa Meves für unseren Blog 
                                                                                         
„Die Mutter gehört zum Kind,“ das ist zwar eine plakative Aussage, die als solche Misstrauen verdient, aber sie wird durch die neue Hirnforschung in Bezug auf die ersten drei Lebensjahre des Kindes immer nachhaltiger bestätigt.
Die Computertomographie hat es möglich gemacht: Neugeborene kennen ihre Mütter bereits, und die Kleinen erwarten infolgedessen natürlicherweise von ihnen, dass diese ihre lebensnotwendigen Bedürfnisse erfüllen werden.  Schon in der Schwangerschaft haben die Babys gelernt, wie sich der Herzschlag und die Stimme ihrer Mutter anhört. Ja, Neurobiologen haben herausgefunden, dass sie am Geschmack des Fruchtwassers wissen, wie die Milch ihrer Mutter schmeckt – anders jedenfalls als die der andern und anders als Milupa und Milana….
Gewiss ist das Kind am Lebensanfang der Mutter näher als irgendeinem anderen Menschen. Es ist schließlich in ihrem Leib gewachsen. Sie allein hat die optimale Nahrung für es parat und gewährt so dem Säugling den in dieser Weise notwendigen häufigen Leibkontakt.
Das alles sind wichtige Vorbedingungen für seelische und körperliche Gesundheit im Erwachsenenalter. Für diese Aufgabe ist die Mutter hormonell vorbereitet, und sie hat deshalb auch ein feineres Gespür für die Bedürfnisse des Neugeborenen. Untersuchungen belegen, dass sie das Kind häufiger und zärtlicher anzusprechen pflegt: "Muttersprache" nennt man das deshalb, und bereits der Säugling speichert sie offenbar bereits in seinem Hirn – viel früher, als man bisher  angenommen hat.
Von großer Bedeutung, so haben die Forscher herausgefunden, ist auch die Phase einige Wochen nach der Geburt, in der sich im Hirn der Gesichtssinn konstituiert. In dieser Zeit wendet das Kind seiner Mutter – besonders beim Stillvorgang das Gesicht vermehrt zu, ja, es starrt der Mutter jetzt oft eine ganze Zeitlang unverwandt ins Gesicht. Dies ist offenbar der letzte, aber entscheidende Akt beim Entwicklungsprozess der Bindung des Babys an seine Hauptbezugsperson, die am besten die Mutter darstellt und die man deshalb  nicht ohne Not mit anderen Personen vertauschen sollte. Der Vater ist zwar ebenfalls enorm wichtig für die Familie, aber in aller Intensität ist zunächst die Mutter gefragt. Aus Vaters Brust fließt nicht jene Nahrung, die für das Kind optimal ist.
Die stillende Mutter ist im ersten Lebensjahr die Person, die den Entwicklungsprozess am nachhaltigsten fördern kann; denn ihre Nähe, ihre Präsenz entspricht den natürlichen Erwartungen des Kindes; denn es bedarf dieser festen Bindung, um überleben zu können Diese feste duale Bindung an die Mutter ist aber auch die Voraussetzung zu einer späteren allgemeinen Bindungsfähigkeit im Erwachsenenalter!.
Wenn diese Erwartungen nun allerdings fortlaufend gestört und irritiert werden, indem der Säugling allein gelassen wird, oder indem  man ihn anderen Personen überlässt, oder  ihn an eine fremde Umgebung – etwa im Krankheitsfall einer Klinik - übergibt, so kann es zu schweren Angstanfällen kommen, die eine Erhöhung des Stresshormons Cortisol zur Folge haben. Bei wiederholten oder extrem starken Ängstigungen dieser Art kann sich der Cortisol-Spiegel sogar chronisch erhöhen und   selbst noch im Erwachsenenalter eine Bereitschaft zu Dekompensationen, zu Panikattacken und Angstanfällen, ja, durch die chronische Erhöhung des Stresspegels sogar zu chronischen körperlichen Erkrankungen führen, wie Bluthochdruck oder Diabetes.
Diese Entdeckungen bestätigen interessanterweise die Vermutungen Freuds, dass die Neurosen, die seelischen Erkrankungen des Menschen,  bereits in der frühen Kindheit entstehen – ein Befund, der von Psychoanalytikern und Kinderpsychotherapeuten in der Praxis längst auch bereits bestätigt und differenziert worden war, ohne dass sich das Zutreffende dieser Aussage in streng wissenschaftlicher Weise belegen ließ. Umso gewichtiger ist es, dass  das der neuen Hirnforschung  jetzt möglich sein kann.
Die Bindung des Kindes an seine Mutter hat lebenserhaltenden Sinn. Deshalb bleibt sie
auch noch in den folgenden Jahren in dem Maß erhalten, als das Kind vollständige Selbständigkeit noch nicht erlangt hat, und das heißt, bis in die Siebenjährigkeit hinein. Außerdem hat sich jetzt weltweit belegen lassen, dass Kinder, mit denen die Mütter sich in der ersten Lebenszeit intensiv selbst  beschäftigt haben, ja, die lange voll gestillt wurden, die besseren Schulleistungen erbringen als andere.
Den Säugling in Krippen zu betreuen, sollte deshalb nur dem äußersten Notfall vorbehalten bleiben; denn eine Fremdbetreuung durch mehrere Personen im Schichtdienst irritiert das Kind und mindert seine spätere Soziabilität und seine innere Ausgeglichenheit.
Eine umfängliche Langzeituntersuchung in den USA hat sogar apodiktisch festgestellt: diese Form des Umgangs mit dem Säugling schadet ihm je früher sie einsetzt, je länger sie dauert und je kontinuierlicher sie gehandhabt wird.
Unbedingt sollte deshalb auch im zweiten und dritten Lebensjahr die Mutter die Hauptbezugsperson bleiben, damit das Kind eine stabile Basis, und das heißt ein sicheres Grundgefühl erwirbt, das es ihm erleichtert, ein konzentrationsfähiger Schüler  sowie ein leistungs- und liebesfähiger Erwachsener zu werden.
Die Einrichtungen in unserer Gesellschaft, die den Kleinkindern Fremdbetreuung ermöglichen, damit ihre Mütter erwerbstätig sein können, sind also in einer gefährlichen Weise unvernünftig und kontraproduktiv; denn sie züchten geradezu eine leistungsgeminderte Gesellschaft, in der die Depression zur epidemischen Krankheit avanciert.
Es wäre dringend an der Zeit, Konzepte zu entwickeln, die es den Müttern möglich machen, bei ihren Kleinkindern zu bleiben. Was hilft ihnen eine noch so fabelhafte Karriere, wenn ihr Kind sich spätestens im Alter von 16 Jahren als so seelisch geschwächt erweist, dass seine Entwicklung stagniert? Es ist zu hoffen, dass die Fortschritte in der Forschung einer harthörigen Gesellschaft noch rechtzeitig und so nachhaltig die Ohren öffnet, dass uns das russische Schicksal, der irreversible Untergang durch eine  kranke Suchtgesellschaft, erspart bleibt. Wir brauchen für den wichtigsten Beruf aller Berufe neue Anerkennung, ja durch ein Erziehungsgeld angemessene Förderung durch den Staat zum Wohl aller – und zur ungetrübten Freude der Mütter an ihren seelisch gesunden, zu einem glückliche Leben erwachenden Kindern!

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