FamilienAllianz



Manif Pour Tous - Widerstand von Eltern in Frankreich



Informationsabend am 19.3. 2014 in Graz mit

Mme Marie-Christine LIPATZ
Präsidentin der Manif Pour Tous Poitiers/Frankreich

La Manif Pour Tous –
Die Verteidigung der Familienrechte in Frankreich

Zusammenfassung


1.     Die Anfänge der „Manif(estation) Pour Tous“

Im Jahre 2012 präsentierte die Regierung von François Hollande die sogenannte loi Taubira, einen nach der zuständigen Ministerin benannten Gesetzesentwurf, der die „Ehe für alle“ erlauben soll. Die Ehe zwischen Mann und Frau bedeutet u.a., dass man als Kind eine Herkunft, eine Abstammung hat. Ehe für alle bedeutet, dass Kinder keine klare biologische Abstammung mehr haben. Denn aus der Ehe für alle folgt als nächstes die Frage, ob Homosexuelle ein Recht auf ein Kind haben. Dann müssten auch Samenspende und Leihmutterschaft für Homosexuelle erlaubt werden. Gegen diese Vorhaben der Regierung begann sich großer Widerstand zu formieren – die „Manif Pour Tous“ war geboren.

Die „Manif Pour Tous“ ist eine Vereinigung von verschiedenen Bewegungen und Verbänden: Verbänden von Familien, Juristen, Ärzten, Bewegungen des Lebensschutzes (wie zB Alliance VITA), Vereine für adoptierte Kinder, Homosexuelle (zB HomoVox - zum Unterschied von „gay“ sind das Homosexuelle, die keine besonderen Rechte für sich fordern). „La Manif Pour Tous“ umfasst verschiedene Konfessionen – va Katholiken, Protestanten und Muslime. Sie versteht sich als überkonfessionell und überparteilich. Die Katholiken stellen die größte und aktivste Gruppe innerhalb der „Manif“ dar.


2.     Es gab bisher vier große Demonstrationen

17.11.2012                200.000 Demonstranten in Paris (laut Polizeibericht 70.000)
13.1.2013                  1 Million (laut Polizeibericht 340.000)
14.3.2013                  1,4 Millionen (laut Polizeibericht 300.000)
26.5.2013                  über 1 Million (Polizeibericht 150.000)

Aus ganz Frankreich reisten Familien mit Kindern und Kinderwägen, alte und junge Personen sowie Gruppen von Vertretern verschiedener Berufsgruppen an - per Bus, Zug und Auto.
Am 14.3.2013 wurde Tränengas verwendet, es kam zu Übergriffen von der Polizei auf die friedlichen Demonstranten. Viele Menschen wurden auch verhaftet.
Das Gesetz „Taubira“ wurde schließlich am 23.4.2013 ohne Debatte im Parlament verabschiedet und trat am 18.5.2013 in Kraft. Parallel dazu nahmen die Repressionen gegen die Anhänger der „Manif Pour Tous“ zu. Sie wurden als reaktionär katholisch, als faschistisch und homophob bezeichnet. Die Parole der Demos war: „On ne lache rien, rien, rien“ – Wir lassen niemals nach, niemals, niemals…

Parallel zu den Demonstrationen bildeten sich friedliche Gruppen, genannt „Les Veilleurs“ („Die Wächter“): Vorwiegend junge Leute, Pazifisten, treffen sich an öffentlichen Plätzen und halten Mahnwache für die Rechte der Familie. Sie singen Lieder va von den Weltjugendtagen und aus der Résistance (dem frz. Widerstand während des 2. Weltkrieges) und lesen philosophische Texte. „Les Merveilleuses“ werden die Mütter genannt, die sich ebenfalls treffen. In Poitiers treffen sich nach wie vor alle zwei Wochen von 20.30 Uhr – 22.30 Uhr Jugendliche an einem bestimmten Platz.


3.     2014: Der Kampf geht weiter!

Zuletzt wurde von der Regierung ein Gesetzesentwurf „für Familien“ vorbereitet, der u.a. finanzielle Nachteile für Familien enthält und Mütter noch mehr zurück in den Arbeitsprozess verpflichten würde. Am Tag nach der letzten Großdemonstration Anfang Februar 2014 in Paris und Lyon wurde dieses Gesetz zurückgezogen!

Seither hat sich die Einstellung der Parteien zur „Manif“ sehr verändert. Diese hatten sich bisher sehr zurückhaltend gezeigt. Vor allem die Einstellung der bürgerlichen Partei UMP gegenüber der „Manif“ ist nach wie vor gespalten. Die Parteien rechts der Mitte wollen nun jedoch mit den Führern der „Manif“ in Kontakt kommen. Die Europawahl im Mai steht vor der Türe, die große Frage ist: „Wen wählen die Katholiken?“

Bei den am 23.3.2014 stattfindenden Regionalwahlen war „La Manif Pour Tous“ zwar nicht mit eigenen Listen vertreten, doch hatte sie im Vorfeld eine „Charte“ veröffentlicht, die sie den antretenden Kandidaten zur Unterschrift vorlegte. Eine zentrale Forderung der „Charte“ ist, sich für die Aufhebung des Gesetzes Taubira einzusetzen.

In der jetzigen sozialistischen Regierung gibt es handfeste linke Ideologen, va im Ministerium der Justiz und des Schulwesens. Ihr Ziel ist es, „einen neuen Menschen“ zu erschaffen. Die Kinder gehören dem Staat, nicht den Eltern. Es soll eine neue staatliche, republikanische Religion entstehen. Ihre Aktivitäten sind damit auch gegen die katholische Kirche gerichtet. (Der Unterrichtsminister erscheint manchen wie ein neuer Robbespierre!) Es sind Marxisten und Freimaurer in der Regierung. Die Gender Theorie wurde heimlich schon seit Jahren (unter Präsident Sarkozy) in die Schulen gebracht. Der offizielle Standpunkt der Regierung ist: Kampf gegen Homophobie. Die „Manif“ kämpft nun für die Erziehungsfreiheit der Eltern. Am 18. Mai 2014 soll die nächste Großdemonstration gegen Genderismus und für die Rechte der Eltern auf Erziehung ihrer Kinder stattfinden. Die „Manif“ möchte eine starke Lobby für die Familien sein und der starken Lobby der Homosexuellen entgegentreten.


„Manifeste pour la famille et pour l’enfant“ - 10 Grundsätze (März 2014)

Die „Manif Pour Tous“ möchte sich von einer Protestbewegung hin zu einer politikgestaltenden Bewegung weiterentwickeln und hat dazu ihre wichtigsten Grundsätze und Vorschläge an die Politik in einem Basisprogramm zusammengefasst. Dies wurde zunächst in ganz Frankreich arbeitsteilig ausgearbeitet und schließlich am 8.März 2014 bei einem Kongress in Paris („La Grenelle de la Famille“) angenommen.

Die wichtigsten Grundsätze daraus lauten:

1.                      Die Familie ist der Sockel der Gesellschaft. Sie soll geschützt und unterstützt                  werden.
2.                      Die Ehe zwischen Mann und Frau soll geschützt sein.
3.                      Jedes Kind wird aus der Verbindung von Mann und Frau geboren und hat das                  Recht, von seinen Eltern erzogen zu werden.
4.                      Das Kind ist niemandes Eigentum. Die Schwangerschaft kann aus Respekt vor      der Frau nicht Gegenstand eines Vertrages sein.
5.                      Vater und Mutter haben das Recht ihr Kind zu erziehen.
6.                      Der Staat trägt durch eine universelle Familienpolitik zum Gemeinwohl und zum             Fortbestand der Gesellschaft bei.



Weitere Ziele der „Manif“:

·  Weiterhin Eintreten für die Abschaffung der „Ehe für alle“ – Forderung nach der Rücknahme des Gesetzes Taubira
·  Man sucht für jede Schule einen „Wächter“, der die Einflüsse der Genderideologie beobachtet. Elternvereine sind nicht ausreichend.
·  „La Manif Pour Tous“ wünscht sich eine europäische Allianz mit ähnlichen Organisationen, um auf europäischer Ebene, insbesondere im EU Parlament, stärker auftreten zu können.
·  „La Manif Pour Tous“ sucht in jedem europäischen Land einen Vertreter. Ziel wäre es, zeitgleich in verschiedenen europäischen Staaten für die Anliegen der Familie zu demonstrieren wie es ansatzweise bereits im Anfang Februar 2014 gelungen ist.

Ausblick

Die Enttäuschung durch die regierenden Parteien in Frankreich ist groß. Es besteht die Hoffnung, dass aus der „Manif Pour Tous“ neue politische Persönlichkeiten hervorgehen, die eine neue Politik im Dienste der Menschen und Familien gestalten. So könnte von Frankreich aus quasi als Fortführung einer positiven Französischen Revolution eine neue Gegenbewegung gegen die Genderideologie und für die Familien auf ganz Europa übergreifen. Voraussetzung dafür ist, dass sich alle guten Kräfte europaweit kennenlernen und vernetzen.

Vgl. www.lamanifpourtous.fr/de

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen